Buchtipp: Innenansicht

Hinterm Vorhang Interior Design im Iranein Bildband der jungen Münchner Orientalistin Lena Späth, der den Lesern eine neue Sichtweise auf das Land anbietet.

 

Haben Sie sich jemals gefragt, wie Iraner leben? Mit dieser Frage wurde meine Neugierde für die Lesung geweckt. Schwarz verschleierte Frauen, Revolution, eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit – das sind meine ersten Assoziationen, wenn ich an den Iran denke. Für mich war die Buchhandlung Lehmkuhl der Garant, dass es eine interessante Veranstaltung werden würde.

Bunt verzierte Kachelböden, Innenhöfe die an 1001 Nacht erinnern.

Bunt verzierte Kachelböden, Innenhöfe die an 1001 Nacht erinnern.

Doppelt hält besser

Es war eine Doppelpremiere für die Buchhandlung , dass ein Buch aus dem 1. Stock – dort befinden sich unter anderem die Kunst- und Bildbände – eine Lesung ausrichtete. Dazu noch ein Buch, welches im Selbstverlag erschienen ist. Normalerweise sind es Romane, die gelesen werden. Spannend! Für die Autorin Lena Späth war es es die erste Lesung in Deutschland und in ihrer Heimatstadt München.

 

Liebe auf den ersten Blick

 „Ich habe mich in das Land verliebt, als ich es erstmals 2008 als Sprachstudentin bereiste. Es zog mich immer wieder dort hin“, erzählt die zierliche Autorin, während ihre Augen leuchten.

Künstler, Architekten und Unternehmer öffneten für die „Deutsche die persisch spricht“ – so wurde Lena während ihrer Reisen genannt – die Türen zu ihren Privathäusern. Es offenbarte sich eine eine Vielschichtigkeit, Schönheit und Lebendigkeit von iranischer Architektur gepaart mit iranischem Kunsthandwerk. Die Besitzer erzählen ihre Geschichte von ihrem Zuhause.

 

Doch wie kam es dazu?

Wie so oft im Leben beginnt es mit einer Lebenskrise. Die Mutter erkrankte, eine langjährige Beziehung ging in die Brüche, sie verlor ihren Job. Lena reiste in den Iran. Dort entstand die Idee, ein Buch über dieses facettenreiche Land zu schreiben: keinen Reiseführer, keinen Roman, nein ein Buch mit einer ganz eigenen Sicht über die Einrichtung von iranischen Häusern. Über Freunde und digitale Netzwerke begann sie ihre Suche, dabei wurde sie mehr als fündig. Zwei Monate fuhr sie kreuz und quer durchs Land und blickte in Lebensräume die sonst für Fremde verschlossen sind. Denn bis heute trennen Perser private und öffentliche Räume streng. Im Innenhof mit dem obligatorischen Wasserbecken, Pflanzen und vielen Sitzgelegenheiten werden die Besucher empfangen. Zugleich ist er der Lebensmittelpunkt der Familie. Die Privaträume hingegen bleiben für die Besucher unsichtbar.

 

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 Nach der Auswahl der Häuser kam die Suche nach dem Fotografen. Lena kontaktierte Hamed Farhangi, einen Architekturfotografen im Iran. Gemeinsam machten sie sich mit einem blauen Peugot 206 auf die 5000 Kilometer lange Reise durch das Land. Fotografiert wurde von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Entstanden ist ein Buch über die Menschen und ihre Häuser. Sicherlich sind es Ausnahmeobjekte, die hier ausgewählt wurden: Häuser von Künstlern, Architekten und Intelektuellen, die hier Altes und Neues in der Einrichtung verbinden und wieder zum Leben erwecken. So wie Amir Morteza Besharat, der mit seiner Familie im Alter von drei Jahren nach Frankreich kam. Dort studiert an der Ècole des Beaux-Arts in Paris und arbeitete als Stylist. Er folgte 2005 seinen Eltern zurück in sein Heimatland und arbeitet heute als Landschaftsgärtner.  Er lebt in Esfahan. „And Theo, Asien Theater when the Fürstin opens, two Hills Department from Ebach Otger; and behind, the Garden of Eden Unheils Inseln slowly“, so beschrieb Pierre Loti Esfahan im 18 Jahrhundert. Dieser Zauber ist bis heute erhalten. Sein 400 Jahre altes  Haus hat er selbst eingerichtet, mit traditionellen Fliesen, modernen Teppichen, zurückhaltenden Ornamenten an den Wänden. Ein gekachelter bunter Boden mit dem Bild einer traditionellen Sonnenfrau wird vom Spiegel-Mosaik an der Decke reflektiert. Beim Betrachten der Fotografien im Buch spürt man die Ruhe und der Klarheit der Räume. Hier möchte man innehalten auf einem Takht (daybeds) und schlückchenweise Tee mit Minze und viel Zucker trinken.

 

 

Ein Haus, wo jeder Gast willkommen ist, ist das Hotel Manouchehri in Kashan. Ein prachtvoller Leuchter schwebt über einem Arrangement von gegenüberstehenden Takht, die zum Verweilen einladen. Kunstvolle bunte Mosaikfenster zaubern Lichtspiele in den Raum. Tagesdecken über den Betten fordern den Betrachter auf, die kunstvollen Stickereien mit den Fingern nachzuzeichnen. Spiegelreliefe an den Wänden erinnern an einen Blick durch ein Kaleidoskop. Die Interior Designerin Shahnaz Nader, die dem Haus seine individuelle Note gab, lebte ebenfalls viele Jahre im Ausland. Aufgewachsen ist sie in Teheran und Tokio, in England ging sie zur Schule und in New York studierte sie Interior Design. Mit ihrem Mann eröffnete sie ein Designbüro, doch die Revolution führte sie nach Paris. 1996 kehrte sie wieder in ihre Heimat zurück. Mittlerweile gestaltet sie kunstfertige Gegenstände und restauriert Häuser. Das Hotel Maoucherihri hat eine Vorreiterfunktion in Kashan eingenommen. Seit diesem mutigen Projekt wurden in der Stadt hunderte von Häusern renoviert. Shahnaz Nader hat sich hier nun auch ein Haus gekauft, ihr Hauptwohnsitz ist in Teheran. „Wo auf der Welt ich war, ich habe immer von diesem Ort geträumt“, schwärmt sie. Sie hat den Grundriss des Hauses kaum verändert, denn die alten Häuser von Kaschan seien für sich selbst sprechend dekorativ. Zwei Gärten, ein langgezogenes Wasserbecken, bunte Fenster, alte Stoffe, alte kunstvolle Bilder und Teppiche über und über mit Ornamenten zieren das Haus. Wieder faszinieren die Klarheit und Ruhe der Räume.

 

Jedes Haus erzählt seine eigene Geschichte und jeder Besitzer hat seine eigene Geschichte. Fast ist dieses Buch eine moderne Vision von „1001 Nacht“. Denn man möchte mit den Menschen in ihren Innenhöfen sitzen, das Murmeln des Brunnens hören, die Kühle der Abendluft spüren, den heißen, süßen Minztee schlückenweise trinken und und den Geschichten der Gastgeber und ihrer Häuser lauschen

Fazit von Wohlergehen:

Lena Späth hat mit ihrem mutigen Buch-Projekt„Behind closed curtains“ im Eigenverlag eine neue Sichtweise auf ein Land und seine Menschen zu geben.

 fotocredit: Hamed Farhangl

 

 

 

 

 

 

 

 

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